Die Website ist ein Stromfresser
Eine Webseite verbraucht Strom. Beim Speichern, beim Ausliefern, beim Rendern im Browser – und jedes Mal, wenn sie nach zwei Jahren weggeworfen und neu gebaut wird. Wer über nachhaltige Webseiten spricht, darf deshalb nicht nur das Hosting meinen. Es geht um den Strommix, um die Effizienz der Rechenzentren, um die Menge an Code, die bei jedem Aufruf bewegt wird – und um die Frage, wie oft eine Seite überhaupt neu entstehen muss.
Bei Relaunch24 haben wir uns für alle vier Ebenen entschieden: Hetzner in Deutschland mit 100 % Ökostrom, EU Hosting Only, eine schlanke Engine ohne Datenbank – und Webseiten, die nicht als Wegwerfprodukt gedacht sind.
100 % Wasserkraft, deutsche Rechenzentren, messbare Effizienz
Unsere Server stehen bei Hetzner in Deutschland. Die deutschen Standorte beziehen ihren Strom seit 2008 aus erneuerbaren Quellen – aktuell zu 100 % aus Wasserkraft im Alpenraum, belegt mit Herkunftsnachweisen. Gegenüber dem deutschen Strommix spart Hetzner an diesen Standorten rund 77.000 Tonnen CO2 im Jahr (Quelle: Ökostrom-Zertifikat 2023–2025).
Genauso wichtig wie die Quelle ist, wie viel Strom überhaupt gebraucht wird. Hetzner kühlt fast ganzjährig mit Außenluft, nutzt Abwärme für Büros und Produktion und kommt ohne Wasserkühlung aus (WUE: 0 l/kWh). Die Power Usage Effectiveness – das Verhältnis von Gesamtstrom zu IT-Strom – liegt bei 1,10 bis 1,16, im Schnitt bei 1,13. Der deutsche Branchenschnitt lag 2024 bei rund 1,4. Je näher der Wert an 1,0 liegt, desto weniger Energie geht für Kühlung, USV und Gebäude verloren.
| Rechenzentrum | PUE |
|---|---|
| Hetzner (DE, Ø) | 1,13 |
| DE-Branchenschnitt 2024 | ~1,4 |
| Ältere / ineffiziente RZ | ~1,8 |
Hetzner ist damit zwar nicht „klimaneutral“ – das sagt das Unternehmen selbst. EMAS- und ISO-14001-Zertifizierung bedeuten vor allem: messbar, prüfbar, jährlich offengelegt. Für uns reicht das als Grundlage, weil wir die Infrastruktur nicht schönreden müssen. Sie ist europäisch, dokumentiert und deutlich effizienter als der Schnitt.
Kurze Wege in Europa statt transatlantischer Umwege
Jede Anfrage, die nach Virginia oder Singapur wandert, kostet nicht nur Latenz, sondern auch Netzenergie. Deshalb bleiben Daten, Backups und Auslieferung bei uns in der EU. Statische Assets verteilt das slowenische Bunny CDN – näher an den Endgeräten, weniger Last auf dem Origin-Server. Der Kern der Seite bleibt in Deutschland. Das ist dieselbe Logik wie bei EU Hosting Only: rechtlich klar, geografisch nah, energetisch kürzer.
Die Engine: weniger Prozesse, weniger Strom pro Aufruf
Ökostrom auf einem aufgeblähten Stack ist trotzdem Verschwendung. Eine klassische WordPress-Seite startet bei jedem Aufruf PHP, eine Datenbank, oft Dutzende Plugins und ein Bündel Tracker-Skripte. Jede SQL-Query, jedes Cookie-Banner, jedes eingebettete US-Skript ist Rechenzeit – auf dem Server und im Gerät der Besucherin.
Unsere Engine ist bewusst das Gegenteil:
- Kein klassisches Datenbank-CMS. Kirby speichert Inhalte als Dateien. Null SQL-Queries, kein dauerhaft laufender Datenbankprozess. Details dazu im Artikel Sicherheit ohne Datenbanken.
- Eine Engine für alle Seiten. Nicht hundert individuelle WordPress-Installationen mit Plugin-Zoo, sondern ein zentral gepflegter Stack. Ein Update, viele Instanzen – statt N-mal Hardware, N-mal MySQL, N-mal veralteter Ballast.
- Kein Cookie-Banner als Default. Ohne Tracking-Pixel und Consent-Manager entfallen ganze JavaScript-Pakete, die sonst bei jedem Besuch geladen, geparst und ausgeführt werden.
- Schlankes Frontend. PHP, CSS, JavaScript, HTML5. Keine Page-Builder-Runtime, keine unnötigen Font- und Framework-Ladungen aus US-CDNs.
- Kein KI-Zwang in der Auslieferung. Generative Modelle im Request-Pfad wären der teuerste Strom, den eine Webseite verbrennen kann. Inhalte und Hosting bleiben bei uns in menschlicher Verantwortung – siehe Warum Relaunch24 sich lieber nicht auf AI verlässt.
Weniger bewegliche Teile bedeuten weniger CPU, weniger Transfer, weniger Wärme. Das ist dieselbe Architekturentscheidung, die uns bei Sicherheit und Wartung hilft – ökologisch ist sie kein Extra, sondern die Folge.
Die unterschätzte Ökobilanz: der Relaunch
Der größte Energieverbrauch einer Webseite steckt oft nicht im einzelnen Seitenaufruf, sondern im Lebenszyklus. Marktüblich wird nach rund 2,6 Jahren relauncht, in manchen Branchen noch früher. Jeder Relaunch heißt: neue Konzeption, neue Entwicklung, neue Assets, oft neue Infrastruktur – und die alte Seite wird entsorgt. Das haben wir in Stoppen wir die Verbreitung von Wegwerf-Webseiten beschrieben.
| Modell | Relaunches / 10 Jahre |
|---|---|
| Klassische Webseite | ~4 |
| Relaunch24 | 0 |
Eine Seite, die zehn Jahre lang gepflegt statt neu gebaut wird, spart nicht nur Budget. Sie spart die graue Energie aus Design, Entwicklung, Migration und Hardware, die sonst im Rhythmus von Wahlperioden und Trendfarben verbrannt würde. Langlebigkeit ist hier die wirksamste Klimamaßnahme.
Was das für Betreiberinnen und Betreiber heißt
Nachhaltigkeit ist die Summe aus Wasserkraft in deutschen Rechenzentren, kurzen Wegen in Europa und einer Architektur, die Strom, Daten und Hardware nicht verschwendet – heute, und in zehn Jahren immer noch.